Gratis Pitch

Unsere WKO Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien hat die Aktion http://www.gegen-gratis.at ins Leben gerufen.
Es geht um die Unart, Pitches (also Agentur Präsentationen von Ideen, Strategien und div. kreativen Output) gratis abzuliefern.
Eine WKO Aktion, die man nur sehr begrüßen kann und die sich sowohl an potentielle Auftraggeber, als auch an Agenturen wendet, die sich ausbeuten lassen.

Keine Ahnung wer überhaupt auf die Idee gekommen ist, bei sowas mitzumachen. Für uns als PR, Social Media und Content Marketing Agentur war schon immer klar, dass wir überhaupt nur in absoluten Ausnahmefällen pitchen und schon gar nicht kostenlos.

Ich stell mir die Entstehungsgeschichte der Gratis-Pitches so vor:

Irgendwann vor gar nicht mal so langer Zeit, sagte mal ein Unternehmens-Chef zu seinem Marketingleiter: “Sag mal Karl, hast du eigentlich überhaupt keine guten Marketing-Ideen mehr?”. Worauf Karl erwiderte: “Sorry, Franz. Ich sitz mit der Susi den ganzen Tag in Meetings und hab dafür keine Zeit. Vielleicht sollten wir eine externe Agentur engagieren!”.
Der Chef war von der Idee gar nicht begeistert. “Externe Agentur” klingt nach viel Geld, Arbeit und Veränderung. Auch wenn man sowas in Wien gewöhnlich mit Freunderlwirtschaft erledigt und große Etats sowieso unter der Hand bei einem Glas Wein vergibt.
Da kam dem Chef eine großartige Idee!
“Wir laden einfach mehrere Agenturen ein und lassen uns von denen ihre Ideen vorstellen! Da wird sicher was Gutes dabei sein und das klauen wir dann und schicken die wieder heim.”
Karl konnte sich das gar nicht vorstellen und sprach: “Du glaubst doch nicht wirklich, dass eine Agentur uns ihr Kernprodukt – also ihre Ideen und Beratung – gratis geben wird?!”
“Ja, klar!”, sagte Franz “Wir sagen denen einfach, dass es alle anderen Agenturen auch gratis machen!”
“So deppat kann doch niemand sein!”, meinte Karl noch und er sollte sich täuschen.

Das war die Geburtsstunde der Gratis-Pitches. Denn es fanden sich immer mehr Dumme – sowohl bei den Agenturen als auch bei den Unternehmen, die das ausnutzen wollten.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Variationen dieses Spiels. Sehr beliebt ist z.B. das “Wir haben aktuell nur ein kleines Budget, aber wenn Sie uns überzeugen, dann wird das Budget in Zukunft viel größer für Sie!”-Spiel – auch bekannt als “Die Karotte”.

Logischerweise werden aber Unternehmen, die schon zu Beginn nichts zahlen, auch in Zukunft nichts bezahlen und schon gar nicht “mehr”. Das sollte eigentlich jedem klar sein.

Die WKO Seite beschreibt das sehr gut:

  • Nur wer selbst umsonst arbeitet, kann sich leisten, andere nicht zu bezahlen.
  • Nur wer unschlüssig ist, vertraut nicht auf geldwerte Leistung.
  • Nur wer kurzfristig denkt, nimmt, was er umsonst kriegt.
  • Nur wer Präsentationsleistungen honoriert, unterstützt den freien Wettbewerb.
  • Nur wer wertvolle Kreativarbeit bezahlt, erhält beste Qualität.
  • Nur wer Geschäftspartnern mit Respekt begegnet, arbeitet auch für den eigenen Erfolg.

Durch Gratis-Präsentationen kommt es zu einer ständigen Abwärtsspirale. Qualität wird immer schlechter. Zusammenarbeit basiert auf Misstrauen und das schadet den Unternehmen genau so wie den Agenturen.

Eigentlich ist es traurig, dass es überhaupt eine Kampagne “Gegen Gratis” geben muss.

Ich bin mir gar nicht sicher, ob wir als Wiener Agentur überhaupt bei der Aktion mitmachen, denn für uns ist das eine Selbstverständlichkeit solche “Neukunden” nicht anzunehmen. Die Basis unserer Zusammenarbeit mit Kunden ist Vertrauen und Authentizität.

Was die Zusammenarbeit mit Agentur-Kollegen und Mitbewerbern anbelangt, so ist unsere Basis Respekt und der ist nicht gegeben, wenn diese sich verschenken.

Agenturen, die gratis pitchen, werden aber sowieso langfristig nicht bestehen können und Unternehmen, die diese Gratis-Philosophie als Basis ihres Marketing leben, werden sich immer schlechter und minderwertiger nach Außen darstellen.

Insofern löst sich dieses Problem von selbst – durch Karma.

 

karmabitch

 

Über Dieter Schwarz

Dieter Schwarz ist Co-Founder von PRand Communication. Seine Schwerpunkte sind PR, Branding, Social Media Marketing und die Veränderungen von Unternehmen hin zu “sozialen Unternehmen”.