“The Medium is the Massage” (“Das Medium ist die Massage”) – dieser Titel von Marshall McLuhans berühmten Werk zur Medienphilosophie entstand aus einem Druckfehler des Schriftsetzers und passt dennoch heute mehr denn je!

Das Medium ist die Botschaft – “The Medium is the Message” – war der ursprüngliche Titel seiner populär gewordenen Arbeit, entstanden in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts.

 

Quelle: Berliner FilmfestDer Titel erfasst überspitzt und sehr verknappend formuliert eine der Kernbotschaften von McLuhan: Es geht gar nicht um den Inhalt, das Medium ist die Botschaft – niemand braucht Inhalte, sie wurden durch neue Medien aller Art ersetzt!

Würde dieser Satz heute noch stringent gelten, wäre jeglicher Branding-Prozess und markenbildendes Storytelling komplett obsolet!

Dennoch faszinierte mich von Anfang an Marshall McLuhans Medienphilosophie und im Zuge dessen, auch das eigene Hinterfragen, was ist heute Marketing, was ist es morgen, und wofür steht PRand communication?

McLuhans Thesen waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung absolut avangardistisch und brachten eine Definition des Begriffs “Medium” hervor, die meiner Meinung nach bis heute noch genial ist. Ich habe keine treffendere Definition gefunden, sinngemäß:

Medien sind nicht bloß Radio und Fernsehen, sondern auch Telefon, Rad oder ein Zug. Und: Medien sind Körpererweiterungen. Sie sind unmittelbar mit dem Körper verbunden, sie sind quasi nicht ein Außen, ein Außerhalb des Körpers. Wir be-nutzen sie nicht. Statt dessen sind sie ein Teil von uns. Wenn wir eine Axt schwingen, dann wird sie zu einer Verlängerung des Arms, ein Rad ist eine Erweiterung des Fußes, ein Telefon wird zur Erweiterung der Stimme.

Jedes “Dazu-Gewinnen” eines neuen Mediums führt zu einer “Amputation” von etwas Älterem und in jedem neuen Medium steckt der Binär-Code eines vorherigen. Konkret, ist der Computer ein Medium in dem der Binärcode des Buches auf Grund des Alphabets steckt.

Und in unserer täglichen Arbeit als Branding-Agentur geht es immer um beides: Welche Botschaft kann wie über welchen Vertriebsweg, also welches Medium, kommuniziert werden?

Und hier passt der Setzfehler des urspünglichen Titels sehr gut, den Marshall McLuhan, dann auch bewusst so gelassen hat:

Natürlich “massieren” uns die Medien. Sie berühren uns, sie werden weiterentwickelt und dem zu Folge, entwickelt sich neben der Rezeption auf Grund der Veränderung des Mediums auch der Inhalt selbst weiter. Dies ist besonders zu spüren im Bereich des Web, im Bereich des Social Media.

Die Webseite eines Unternehmens muss andere Lesebedürfnisse bieten, als noch für 5 Jahren. Man denke nur an diverse integrierte Social Media Plugins, um den Weg zu ebnen von einer Einwegs-Kommunikation hin zu einer aktiven Pull-Kommunikation MIT dem Kunden.

Das gesamte Unternehmen bringt basierend auf einer Strategie seine Markenbotschaft in die neuen Medien ein.

Jedes Medium bedarf nicht nur der Berücksichtigung auf technischer Ebene, sondern auch auf der inhaltlichen und in welcher Form dieser wiederum im gewählten Medium auftaucht. So banal das klingen mag, aber ein Youtube-Kanal fordert, dass der Inhalt in Form von bewegten Bildern, in Form von Pixeln eingespeist wird, sonst kann Youtube nichts damit anfangen.

Parallel dazu haben sich die Sehgewohnheiten verändert, so dass die Markenbotschaft, zwar authentisch kommuniziert werden sollte, jedoch so verpackt, dass potentielle Kunden, diese “lesen” und “entschlüsseln” können und in die Markenbotschaft mit einbezogen werden können.

Die Aufklärug hat gefordert: Es kommt auf die Inhalte an!
Marshall McLuhan erforschte das Faktum des Gegenteils: Das Medium sei die Botschaft.

Wir sind heute in der glücklichen Lage, aus beiden Konzepten eine Kombination zu erstellen:

Authentisches Storytelling auf unterschiedlichen Kanälen, also in unterschiedlichen Medien, was aber immer in der Konsequenz eine Anpassung des Inhaltes an die technischen Begebenheiten des Mediums voraussetzt.

HMR International brachte letztes Jahr ein Buch mit dem Titel “More than TV. Handbuch für eine Branche, die sich neu erfindet” heraus. Der Fokus war auf die Zukunft des Ferneh-Machens ausgerichtet.

Wir, als Branding-Agentur, beschäftigen uns in dem Sinne nicht mit dem Fernseh-Machen, aber erweitert man den Begriff u.a. auf die Vermittlung von audio-visuellen Inhalten, kommen wir ebenso wie diese Studie zum gleichen Schluss:

“Die Relevanz des Inhaltes ist maßgeblich für den Erfolg verantwortlich – nach wie vor geht es darum, Geschichten zu Erzählen, Emotionen zu schaffen und die Menschen in ihrem Lebensumfeld zu berühren…”

Interessant ist dabei auch der Aspekt, ob ein Unternehmen einen Kanal mit seinen Markenbotschaften bedienen will oder nicht. Grundsätzlich würden wir gemeinsam erarbeiten, welcher Kanal für das Unternehmen im Speziellen sinnvoll ist und welcher nicht. In seltenen Fällen kann es durchaus vorkommen, dass eine Präsenz in einem spezifischen Kanal, jetzt (noch) keinen Sinn macht, schließlich muss auch immer die Kosten-Nutzen-Relevanz mit einbezogen werden.

Wir sind der Meinung, das eigene Unternehmen sollte auf allen relevanten Kanälen professionell präsentiert sein.

Warum: Weil viele Kanäle heute auch bedeuten, dass sich ein potentieller Markenfreund und somit Marken-Mitbotschafter von Ihnen sich den Kanal aussucht, den er für sich am besten findet. Natürlich ist es meinst mehr als einer, aber prinzipiell kann man sagen, dass je nach Sehgewohnheiten und Aufnahmepräferenzen sich Ihr potentieller Mit-Botschafter sich seinen Kanal, sich seine Haupt-Community aussucht. Sind Sie dort nicht vertreten, kann er nicht mit Ihnen kommunizieren und Sie nicht mit ihm.

Hier ist also sehr wohl das Medium die Botschaft – nutzen Sie ein Medium nicht, wird es dort keine Botschaft von Ihnen geben – zumindest keine, an der Sie aktiv teilhaben.

Und das “globale Dorf” interagiert durch Logarithmen sowieso untereinander und miteinander und hat direkten Einfluss auf Ihr Gefunden-Werden!

Die Frage ist also nicht nur: Wollen Sie gefunden werden? Und diese Frage ist wohl eine rein rethorische.

Die Hauptfragen sind eher folgende: Wie wollen Sie Ihre Geschichte erzählen, wie wollen Sie Emotionen schaffen und wie möchten Sie Menschen in deren Lebensumfeld berühren?

Natascha Pfeiffer

Über Natascha Pfeiffer

Natascha Pfeiffer ist Co-Founder von PRand Communication. Für sie sind Marketing, Branding und PR-Arbeit stets mehr als profanes Kreieren von schillernden Werbebotschaften – ihr geht es um authentische Kommunikation auf allen Ebenen eines wahren Kerns. Dabei gehören die Offline- und die Online-Kommunikation, speziell im Social Media Bereich, zusammen betrachtet und sind Teil einer gesamten Kommunikationsstrategie eines Unternehmens.